Birgit Pöltl im Interview: Warum die Digitalisierung für Yoga Studios gerade jetzt so wichtig ist

Yogazentrum Mödling - Birgit Pöltl

Birgit Pöltl hat mit ihrem Team vom Yogazentrum Mödling bereits mit Online Yoga gestartet bevor der Lockdown im März überhaupt in Kraft getreten war. Auch die Online-Videothek nutzt das Team bereits seit die Funktion in den Eversports Manager integriert wurde. Mittlerweile sind Live Klassen und Yoga Videos ein fester Bestandteil des Angebotes im Yogazentrum Mödling.

Wir haben Yogalehrerin und Ausbildungsleiterin Birgit Pöltl zum Interview getroffen und mit ihr das Jahr Revue passieren lassen. Im Interview verrät Birgit, wie sie mit den Herausforderungen und Veränderungen 2020 umgegangen ist, was sie gelernt hat und für welches Equipment sich die Yogalehrerin nach langer Recherche entschieden hat. Außerdem sprechen wir über die Trends für das Jahr 2021 und darüber, warum die Kombination von Online und Studio Klassen weiterhin Bestand im Yogazentrum Mödling haben wird.

Und das sind die Inhalte im Detail:

Birgit Pöltl - Meditation

Hallo Birgit, wie geht es euch im Yogazentrum Mödling in der aktuellen Situation?

Birgit Pöltl: Am Anfang vom zweiten Lockdown waren irre viele Leute bei uns online mit dabei. Das hat sich mittlerweile wieder etwas eingependelt, aber es läuft auf jeden Fall nicht schlecht. Wir haben eine gute Community, die auch online mit dabei ist. Man merkt auch, dass die Leute im Lockdown mehr Zeit haben und sich deshalb auch mehr Zeit für Yoga nehmen können. So sehen wir machen Gesichter online noch viel regelmäßiger als im Studio.

Was ist deine Einschätzung, welche Themen sind 2021 für Yoga Studios wichtig?

Birgit Pöltl: Ich befürchte leider, dass uns Corona auch lange nach der Impfung weiter begleiten wird und es zum Beispiel auch im nächsten Winter noch Einschränkungen geben wird. Hybride Klassen, also die Kombination von Studio Yoga und Live-Übertragungen, sind deshalb auf jeden Fall ein Trend, der bleiben wird. Das wird nicht einfach wieder aufhören.

Ich würde deshalb jedem ans Herz legen, jetzt dafür etwas Geld zu investieren, damit man für alle Fälle ausgestattet ist. Das lohnt sich auf jeden Fall. Für die Digitalisierung von Unternehmen gibt es ja auch gute Förderprojekte. Wir haben zum Beispiel vom Land Niederösterreich das Förderpaket digi4Wirtschaft beantragt und so einen Zuschuss zu den Investitionen und Beratungsleistung erhalten. Ich denke solche oder ähnliche Projekte gibt es in verschiedenen Bundesländern.

Wichtig ist, sich vorab einen Plan zu machen, was man genau braucht und vielleicht 10% für allfällig nicht Bedachtes einzukalkulieren, damit man nicht während des Projektes böse Überraschungen erlebt.

Birgit Pöltl

Hybride Klassen, also die Kombination von Studio Yoga und Live-Übertragungen, sind deshalb auf jeden Fall ein Trend, der bleiben wird. Ich würde deshalb jedem ans Herz legen, jetzt dafür etwas Geld zu investieren, damit man für alle Fälle ausgestattet ist. Das lohnt sich auf jeden Fall.

Birgit Pöltl, Yogazentrum Mödling

Das Jahr 2021 ist zu Ende. Wie hast du das Jahr denn empfunden?

Birgit Pöltl: Vor allem überraschend. Wir Studios waren dieses Jahr mit Themen konfrontiert, die für alle Studiobesitzer vollkommen neu waren. Wir sind in eine Richtung gegangen, von der ich dachte, wir gelangen erst in den nächsten 10 Jahren in die Nähe dorthin. Aber ich denke wir haben da alle großartige Arbeit geleistet und die Digitalisierung quasi in ein paar Monaten umgesetzt.

Ich meine das weder positiv noch negativ. Ich habe dieses Jahr unglaublich viel gelernt, ich finde es total spannend, was es alles zu entdecken gibt. Die Technologie, aber auch der persönliche Umgang mit dem Thema. Die Veränderung, die passiert ist, sehe ich total positiv. Ich habe gemerkt, dass es hier ganz viel Potenzial gibt.

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Was waren die größten Herausforderungen, die das Jahr 2020 mit sich gebracht hat?

Birgit Pöltl: Das schnelle Lernen war – und ist noch immer – eine Herausforderung. Offen zu sein für die ganze Technologie und sich konstant selbständig Informationen zu suchen. Eine meiner wichtigsten Quellen war definitiv YouTube. Ich habe mir ganz viele How To Do – Videos angesehen und alles mögliche ausprobiert. Manche Dinge haben ganz gut geklappt, manche hingegen überhaupt nicht.

Online-Live-Klassen sind auf jeden Fall ein Trend aus dem Jahr und auch im nächsten Jahr nicht mehr aus den Stundenplänen wegzudenken. Besonders herausfordernd finde ich die Kombination aus Studio- und Online-Klassen.

Im Studio ist die Atmosphäre für unsere Teilnehmer*innen das entscheidende. Das überträgt sich online natürlich nicht so wirklich. Bei den hybriden Klassen braucht man Scheinwerfer für die Online Teilnehmer*innen, das ist dann aber nicht angenehm für die Studio Teilnehmer*innen. Da muss man für sich das richtige Mittelmaß finden, damit beide Gruppen zufrieden sind. Bei der Schlussentspannung kann man zum Beispiel nicht wie gewohnt eine Kerzenlicht Atmosphäre kreieren, denn dann sehen die Online Teilnehmer*innen nichts mehr.

Welches Equipment nutzt ihr denn, was funktioniert für euch gut?

Birgit Pöltl: Wir nutzen ein Lavalier Mikrofon, das funktioniert sehr gut. Außerdem Musikboxen von Sonos, um die Musik in den Yoga Räumen zu spielen und gleichzeitig für die Übertragung zu nutzen. Beide Eingänge lassen wir dann über in einem Focusrite Mini-Mischpult zusammen laufen, das ist genau für solche Dinge gedacht und ist wirklich sehr einfach anzuschließen.

Wir haben außerdem in hochwertige Kameras investiert (z.B. die Mevo Webcam), dich auch bei wenig Licht gute Bilder liefern. So können wir das Licht bei der Schlussentspannung auch ein wenig dimmen. Über NDI können wir diese dann direkt in unser Streaming System einbinden.

Die Technik ist wirklich das wichtigste bei Online Yoga Stunden. Wenn die Technik nicht ordentlich funktioniert, kann das ganz schön anstrengend werden. Ich hab mir ganz viele Ausbildungen und Online-Klassen von andere Studios angesehen, um herauszufinden, wie die das so machen.

Die Technik ist wirklich das wichtigste bei Online Yoga Stunden. Wenn die Technik nicht ordentlich funktioniert, kann die Stunde für Teilnehmer*innen ganz schön anstrengend werden.

Birgit Pöltl, Yogazentrum Mödling
Birgit Pöltl beim Yoga

Was hast du denn bei deiner intensiven Recherche herausgefunden?

Birgit Pöltl: Durch Zufall bin ich tatsächlich auf eine tolle Software aufmerksam geworden. Ich habe einen Tag lang eine Konferenz von amerikanischen Priestern und deren IT-Expert*innen angeschaut. Die haben ein ähnliches Problem, wie wir Yoga Studios: Sehr schlechte Lichtverhältnisse, Musik bzw. Live Musik, mehrere Mikrofone …. in Kirchen für Online Gottesdienste. Auch hier ist es wichtig, die Stimmung in den Kirchen einzufangen.

In der Konferenz habe ich das Programm OBS kennen gelernt, eine kostenlose Open-Source-Software für Videoaufnahmen und Live-Streamings, mit der man die perfekte Qualität für Aufzeichnungen hinbekommt. Seitdem verwenden wir nichts mehr anderes für unsere Live-Klassen und die Aufzeichnungen. Man hat nicht nur eine super Videoqualität, sondern kann auch extrem viele Einstellungen für den Ton treffen und zum Beispiel Überblendungen einfügen.

Wir haben einen extra Platz eingerichtet zum Schneiden und für die Übertragungen, von dort kann man sich in alle Kameras bei uns im Studio einwählen und so auch zwischen Kameras und Räumen hin und her schalten, Überblendungen einfügen kann und den Ton regulieren. Wir schneiden so quasi während der Live-Übertragung auch bereits das fertige Video, dass wir dann in unsere Online-Videothek im Eversports Manager einfügen.

Wenn wir eine sehr wichtige Klasse im Yogazentrum Mödling übertragen, dann sitzt bei uns jemand im Computerraum und schaltet beispielsweise bei bestimmten Asanas auf eine zweite Kamera um. So sehen die Online Teilnehmer*innen die Ausführung viel besser. Das gute an OBS ist aber, dass man es auch alleine ganz gut bedienen kann.

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Was ist deine Empfehlung für Yoga Studios und Yogalehrer*innen?

Birgit Pöltl: Bei Online-Klassen ist Technik wirklich alles. Es ist total enttäuschend für die Teilnehmer*innen, wenn plötzlich die Internetverbindung schlapp macht. Deshalb sollte man unbedingt auf eine stabile Internetverbindung achten, am besten Glasfaser.

Außerdem empfehle ich allen, die mit Live-Übertragungen der Klassen starten, sich eine zweite Person hinzuzuziehen, die bei der Online-Klasse dabei ist. Sollte zum Beispiel der Ton nicht funktionieren, oder die Qualität nicht stimmen, kann diese Person sofort Alarm schreien und unterstützen. Die Personen können durchaus auch Teilnehmer*innen sein, die man beispielsweise schon lange kennt – eine zusätzliche Stimme als Unterstützung ist auf jeden Fall Gold wert.

Wie bewertest du das Thema Video-on-Demand für Studios?

Birgit Pöltl: Wir zeichnen den Großteil unserer Live-Klassen auf und stellen die Aufzeichnungen dann in die Online-Videothek des Eversports Managers, so dass unsere Kund*innen die Stunden jederzeit nochmal – oder eben überhaupt – machen können.

Gerade sind wir dabei kürzere Stunden extra aufzunehmen, weil die Live-Klassen relativ lange sind mit 60-90 Minuten. Ich hab gemerkt, dass die Leute die On-Demand verwenden, eher nach kurzen Klassen suchen, die man so zwischendurch machen kann. Einheiten mit 20 oder 30 Minuten, werden viel eher genutzt, das sieht man ja auch daran, was bei YouTube oder anderen Kanälen verfügbar ist. Einstündige Videos sind da schon die Ausnahme.

Wir haben bereits mit dem Vorproduzieren gestartet, weil wir gerade einen Adventskalender für unsere Community laufen haben. Jeden Tag gibt es ein neues Video für Zuhause, das dann für 24 Stunden verfügbar ist. Im Januar kommen die Videos dann in die Online-Videothek und sind somit auch noch länger abrufbar.

Welche Inhalte funktionieren denn bei Videos gut?

Birgit Pöltl: Am besten funktionieren Schwerpunkt Themen. Mit einer Vinyasa Klasse unter Tausend von vorhandenen Vinyasa Klassen hebt man sich natürlich schwer von der Konkurrenz ab.

Wir widmen unsere Videos immer einem Fokusthema, wie zum Beispiel:

Videothek Eversports Manager - Yogazentrum Mödling

Wie bereitet ihr euch auf das Jahr 2021 vor?

Birgit Pöltl: Wir lassen das neue Jahr ganz auf uns zu kommen. Wir bereiten uns eher auf die Feiertage vor, die Zeit, in der jeder in sich geht und überlegt, was im nächsten Jahr anders gemacht werden soll. Wichtig ist genau in dieser Zeit nach den Feiertagen für Kund*innen präsent zu sein. Es wird auch über die Feiertage Online Yoga geben und die Ausbildungen im Yogazentrum Mödling. Und natürlich ist unsere Videothek mit Videos vollgepackt, damit wir unsere Kund*innen auch zwischen den Jahren begleiten können.

Wie laufen derzeit die Ausbildungen im Yogazentrum: Online oder auch vor Ort?

Birgit Pöltl: Im Moment laufen die Ausbildungen im Yogazentrum Mödling noch online, fürs kommende Jahr haben wir eine Hybrid-Ausbildung geplant. Die Hälfte ist dann online und im Sommer haben wir zwei Wochen Präsenz zusammen mit den werdenden Yogalehrer*innen. Jede Einheit nehmen wir zusätzlich auf und stellen sie den Teilnehmer*innen dann noch länger zur Verfügung, damit sie die Inhalte nachträglich ansehen können. Dafür haben wir super Feedback bekommen, viele sind sehr dankbar, dass es die Aufzeichnungen gibt.

Yogalehrer Ausbildung Yogazentrum Mödling

Wer macht bei euch eine Yoga Ausbildung und mit welcher Intention?

Birgit Pöltl: Bei der Anmeldung sagen meist um die 30% der angemeldeten Teilnehmer*innen, dass sie die Ausbildung nur für sich machen. Wir haben mal eine Umfrage an alle Teilnehmer*innen unserer Ausbildungen geschickt, 80% haben gesagt, dass sie 1-2 Yogastunden unterrichten, insgesamt 10% leben mittlerweile davon.

Nach einem halben bis dreiviertel Jahr unterrichten dann meistens fast alle. Ich glaube das liegt auch daran, dass man in der Arbeit als Yogalehrer*in diese unmittelbare Verbindung zu den Yogis hat und direkt Feedback erhält. Auch für den, der gibt, ist Yoga ein schönes Erlebnis.

Neben deiner Arbeit im Yogazentrum Mödling, hast du ja auch zusammen mit anderen Yogis die yoga.ZEIT gegründet. Was ist die yoga.ZEIT und für wen ist sie interessant?

Birgit Pöltl: Die yoga.ZEIT gibt es seit 2010. Die Idee entstand am Ende einer Yoga Ausbildung, bei der wir gesehen haben, dass ganz viele nicht mehr happy in ihren aktuellen Berufen waren. Wir haben uns überlegt, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, ein lokales Yoga Magazin. Das Magazin ist für alle, die sich für Yoga interessieren. Es geht aber nicht zu sehr um Asana Praxis, sondern vor allem um den Lebensstil, die Philosophie von Yoga, Ernährung und Stressmanagement. Auf unserer Website finden alle Interessierten ganz viele Blogartikel zu den Themen, spannende Interviews, manche auch als Audio. Im Newsletter geben wir regelmäßige Infos und Updates zu den Themen.

Letzte Frage an dich, Birgit: Was ist dein größter Wunsch für 2021?

Birgit Pöltl: Ich wünsche mir, dass wir im Sommer ein ganz großes Fest machen können mit ganz vielen Yogis und Musik. Und zwar live. Darüber würde ich mich sehr freuen.

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